10. Zusammenfassung

Die jüdische Kommunität in der Slowakei zwischen der tschechoslowakischen parlamentarischen Demokratie und dem Slowakischen Staat im mitteleuropäischen Kontext

 

Eduard Nižòanský

 

 

10.1. Einfûhrung

         Das Münchner Diktat brachte der Ersten Tschechoslowakische Republik nicht nur eine große außenpolitische, sondern auch eine innenpolitische Wende. Infolge der Schwächung der tschechoslowakischen Zentralregierung konnte die Hlinkas Slowakische Volkspartei[1] (HS¼S) und unter ihrem Druck auch die anderen slowakischen politischen Parteien – mit Ausnahme der Sozialdemokraten, Kommunisten und jûdischen Parteien – die Autonomie der Slowakei[2] am 6.10.1938 in Žilina proklamieren. Am folgenden Tag bestätigte der tschechoslowakische Ministerpräsident Jan Syrový den slowakischen Ministerpräsidenten Dr.Jozef Tiso in seinem Amt[3].

         Zur Charakterisierung des Abkommens von Žilina schrieb J.K.Hoensch: „So wurde Sillein (Žilina – E.N.) – etwas ûberspitzt ausgedrûckt – „zu einem innenpolitischen München, bei dem die Politiker der Bourgeoisie zu Quartiermachern des faschistischen Regimes wurden“[4].

         Die zentrale Bedeutung, die der „Lösung der jûdischen Frage“ zukam, wird in dem vom Ausschuß der HS¼S ganz nach Goebbels Muster angenommenen „Manifest des slowakischen Volkes“ deutlich. Dort wurde u.a.festgehalten: „Wir verbleiben an der Seite der gegen die marxistisch-jüdische Ideologie des Verfalls und der Gewalt kämpfenden Nationen“.[5]

Nach der Entstehung der Autonomie wurde die slowakische Regierung mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Im außenpolitsichen Bereich waren dies hauptsächlich die Verhandlungen mit Ungarn[6], die zum Ersten Wiener Schiedsspruch (am 2.11.1938) führten[7].

 

 

10.1. Forschungsbasis dieser Studie

Die Grundlage dieser Studie bilden vor allem  Archivdokumente des Slowakischen Nationalarchivs in Bratislava (Fond des Landesamtes, Fond des Präsidiums des Polizeidirektoriums, Fond des Wirschaftsministeriums, Fond des Innenministeriums, Fond der Kanzlei des Ministerpräsidenten), des Militär-historisches Archivs in Trnava und Forschungen in den 23 Kreisarchiven in der Slowakei. Die Archivdokumenten des Militär-historisches Archivs in Prag, des Tschechischen Innenministeriums in Prag, des Auswärtiges Amtes in Prag. Die Archivdokumenten des DÕW in Wien und des Archivs der Republik in Wien.

Außer der Archivforschung bildet einen wichtigen Quellenbestandteil auch die in der Slowakei, Böhmen, im Dritten Reich, in Ungarn, Poland, Rumänien, Frankreich, Großbritanien und USA herausgegebene zeitgenössische Presse.

 

10.3. Grundlegende Probleme zur Zeit des automen Landes Slowakei  hinsichtlich der  jüdischen Kommunität

Die Angriffe gegen die jüdische Kommunität zur Zeit des autonomen Landes Slowakei (6.10.1938 – 14.3.1939) lassen sich in zwei Gruppen aufteilen - die spezifisch  antijüdischen und die allgemein antidemokratischen, die totalitäre Charakterzüge aufweisen und zur Bildung des Staates mit einer herrschenden Partei einen  wesentlichen Beitrag geleistet haben:

10.1. Spezifische Eingriffe gegen die jüdische Kommunität:

10.1.1.Verbot der Eruv - Drähte, angeordnet vom Landesamt  am 22.10.1938 wodurch auch die geistliche Dimension der jüdischen Kommunität betroffen wurde bzw. die Möglichkeit des Ausübens ihres Glaubens an den Samstagen.

10.1.2. Deportation von mehr als 7 500 Juden, angeordnet von J.Tiso, dem Ministerpräsident und Innenminister der autonomen Regierung bereits am 4.11.1938. Diese wurden auf jene Gebiete ausgesiedelt, die kurz nach dem Wiener Schiedsspruch, von 5. bis 10.11.1938  durch Ungarn besetzt wurden.   

10.1.3. Eingriffe in den wirtschaftlichen Bereich:

10.1.3.1. Verbot des Sonntagsverkaufs auf Grund der Anordnung vom 29.11.1938.

         10.1.3.2. Kontrolle der Gewerbescheine und damit verbundene Eingriffe in das Gewerbeunternehmen. Erzwungene Änderungen in der Leitung der Gewerbekammern.

10.1.4.1.Eingriffe in die Ausübung der Berufe wie Notare, Richter u.ä.

10.1.4.2. Pogrome in einigen slowakischen Städten (Piešany, Trnava).

10.1.5. Vorbereitung der antijüdischen Gesetzgebung.

10.2..Allgemeine antidemokratische Eingriffe, durch die auch die Majoritätsbevölkerung betroffen wurde.

10.2.1. Eingriffe in die Selbstverwaltung – in die Gemeinde- und Stadtvertretungen und Räte, Bezirks- und Landesvertretungen. Dieser Schritt bedeutete vor allem den  Mandatsverlust der aufgelösten politischen Parteien, oder es wurde die ganze Vertretung aufgelöst und die übergeordneten Organe ernannten einen Regierungskommisar:

10.2.2. Verbot der Sport- und Wehrvereine.

10.2.3. Verbot der politischen Parteien, außer der HS¼S, aufgrund dessen auch zwei jüdische Parteien verboten wurden: die „Jüdische Partei“ (24.11.1938) und die „Einheitliche sozialistisch-sionistische Arbeiterpartei in der Slowakei“ (25.11.1938). Am 23.1.1939 folgte ihre Auflösung.

10.2.4. Die Wahl in den slowakischen Landtag, am 18.12.1938, mit einer einzigen Kandidatenliste, begleitet von einer antitschechischen und antijüdischen Propaganda. In den meisten Bezirken der Slowakei wurden getrennte Wahlräume für Slowaken, Tschechen, Deutsche, Ungarn und Juden errichtet.

         Die Reaktion der jüdischen Kommunität auf diese veränderte Situation kam auf der politischen Ebene durch einen Versuch der Gründung des „Jüdischen Zentralbüros“ und des „Wirtschaftsausschusses der orthodoxen Juden“ zum Ausdruck. Obwohl sich die Juden um eine gewisse Zusammenarbeit mit der autonomen Regierung bemühten, waren zu dieser Zeit jedoch von der politischen Elite der HS¼S als keine gleichwertigen Verhandlungspartner angesehen. Eine andere Reaktion war die Emigration oder das Übertreten zu einer der  christlichen Kirchen.

 

10.1.Spezifische Eingriffe gegen die jüdische Kommunität

 

10.1.1. Verbot der Eruv - Drähte

         Der erste Eingriff gegen die jüdische Kommunität bezog sich auf das religiöse Leben - vor allem auf das Leben der orthodoxen Juden. Es ging um das Verbot der Eruv-Drähte, angeordnet vom Landesamt am 22.10.1938[8]. ERUV (auch ERUB - hebräisch) ist die Bezeichnung fûr Handlungen oder Vorrichtungen zur Umgehung gewisser Vorschriften ûber Sabbat- und Feiertagsruhe. Der Brauch des ERUV besteht seit alters her. Das Wort hat man von dem Verbum „vermischen“ abgeleitet. ERUV bedeutet Vermischung bzw. Vereinigung, eine Institution zur Einbeziehung des Unerlaubten in das Gebiet des Erlaubten. Es gibt vier Arten des ERUV. Der ERUV der Gebiete, der ERUV der Hõfe, der ERUV der Grenze und der ERUV der Speisenzubereitung[9].

Diese Maßnahmen hängen mit den strengen Samstagsregeln der Juden zusammen. Dieser Eruv-Draht ermöglichte ihnen, sich außerhalb des Hauses so zu benehmen, als ob sie im Haus wären, was ihnen das Leben beim Beibehalten der Vorschriften wesentlich erleichterte.

Während der Ersten Tschechoslowakischen Republik gab es seitens des Staates keine Einwände gegen die Eruv-Drähte, mit der Autonomie kam auch ihr Verbot. Mehrere Gemeinden - z.B. in Prešov, Poprad, Šarišské Lúky u.a. - versuchten sich auf ihre Verfassungsrechte zu berufen. Es wurde dem Gesetz jedoch nicht genüge geleistet. In Šarišské Lúky z.B. hat das dafür zuständige Amt in die Abberufung geschrieben: „Die Institution der ERUV-Drähte gehört zu den jüdischen religiösen Vorschriften, ihre Abschaffung widerspricht den Vorschriften über die freie Ausübung der Religion.“

Die autonome Regierung griff durch die Vermittlung des Landesamtes in das Leben der jüdischen Kommunität auf einer sehr empfindlichen Stelle ein, um ihr zu zeigen, wer hier der Herr ist.

 

10.1.2.1.Deportationen

Diese Zusammenfassung schließt an die vorigen Studien[10] an, die ich nicht wiederholen mõchte.  Die autonome Regierung ließ im November 1938 etwa 7500 Juden aus der Slowakei auf das nach dem Wiener Schiedsspruch an Ungarn abzutretende Gebiet deportieren.

 In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik gab es keinen nennenswerten politisch organisierten Antisemitismus. Antijüdische Vorbehalte kamen vor allem aus der Presse der „Hlinkas slowakischen Volkspartei“ (z.B. „Nástup“). Auf der Parlamentsebene hörte man dagegen kaum antisemitische Äußerungen. Deswegen überrascht die Schnelligkeit, aber auch die Gründlichkeit der bürokratischen Durchführung, mit der die Judendeportationen im November 1938 realisiert wurden.

Die Novemberaktion bezeichnete ich absichtlich als Deportation und nicht als Abschub. Sie wurde nämlich von der Regierung geplant organisiert - inclusive der Namenslisten und Organisationsmaßnahmen. Die von Jozef Tiso, von 4.11.1938 bis 7.11.1938[11], erteilten  Verordnungen haben mit der Rückkehr der Deportierten schließlich gar nicht gerechnet. Die Rückkehrregelungen wurden auch erst später getroffen.

Die Judendeportationen vom November 1938 waren eine unmittelbare Reaktion der slowakischen Regierung auf den „Ersten Wiener Schiedsspruch“. Wenige Wochen nachdem die Autonomie erreicht war und die HS¼S die Regierung stellte, mußte sie eine außenpolitische Niederlage hinnehmen, die alles bisher Erreichte in Frage stellte. Tiso und seine Mitstreiter brauchten und suchten einen „Sündenbock“ für die in Wien erlittene Niederlage und machten kurzerhand die Juden für die  Gebietsverluste verantwortlich. Das Gefühl der politischen Führungsschicht, wieder Opfer von Fremdbestimmung zu sein, führte zu einem verstärkten Fremdenhaß, der eine radikale Lösung begünstigte. Daher war die an sich bedeutungslose antislowakische Demonstration von einigen Juden in Bratislava am 1.11.1938 ein willkommener Anlaß für die Regierung, gegen die Juden vorzugehen. Nun wirkte sich verhängnisvoll aus, daß die Juden die einzige „Minderheitengruppe“ war, welche in der Slowakei keine Schutzmacht hatte.

         Die Idee, den Gebietsverlust auf Kosten der jüdischen Bürger zu mildern, stoß bald mit der Realität zusammen. Warum sollte die ungarische Regierung die Juden aus der Slowakei in ihr Gebiet aufnehmen? Nach wenigen Tagen und Wochen mußte die slowakische Regierung den Rücktransport der deportierten Juden anordnen. Obwohl durchaus zu erkennen gewesen wäre, daß die ungarische Regierung das „Spiel nicht mitspielen würde“, führte man die Deportationen zunächst ohne Zögern durch. Dies beanspruchte  die technischen Mittel, die eigentlich für die Evakuierung der abzutretenden Gebiete dringend erforderlich gewesen wären.

         Bei den Deportationen vom November 1938 sind drei Handlungsebenen zu unterscheiden:

1.) Die von der Regierung und der Presse aufgehetzte Stimmung gab die jüdischen Bürger für Rachefeldzüge und Plünderungen frei, die sich z.B. in dem Kreis Kežmarok zu lokalen Pogromen steigerten.

         Fanatismus und Endzeitglaube bestimmten vor allem das Auftreten der HG. Sie trieb nachmittags und nachts die „unnötigen Juden“ zusammen - Männer, Frauen, Kinder, Alte, ganz unterschiedslos - verstaute sie auf Lastwagen und deportierte sie in die abgetretenen Gebiete.

2.) Ohne die Beteiligung der Verwaltung, ihre ordnende und planende Tätigkeit, wäre ein Massenexodus kaum möglich gewesen. Der entscheidende Anstoß ging von den Zentralorganen aus. Das Ministerpräsidium, das Innenministerium, das Wirschaftsministerium und das Landesamt arbeiteten eng zusammen. Eine neue Regierungsinstitution, die „Zentrale für die Lösung des jüdischen Problems in der Slowakei“ sollte die Deportationen koordinieren. Untergeordnete Kreisverwaltungen und Polizeiorgane realisierten unmittelbar und einwandfrei die Verordnungen, die aus Bratislava eintrafen. Als vier Jahre später die Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden, konnte die slowakische Regierung bereits auf ihre Erfahrung bei der Ausweisung von großen Gruppen in wenigen Tagen zurückgreifen (Vorbereitung der Nameslisten, Sammlung der auszuweisenden jüdischen Bürger, Aufbau von Internierungslagern, Transport, Bewachungspersonal, Koordination zwischen den beteiligten staatlichen Organen, der HS¼S und der Hlinka-Garde, Beschlagnahme des Besitzes der Juden...)

3.) Die politische Verantwortung für die Deportationen lag ausschließlich bei J.Tiso. Da zu dieser Zeit kein beschlußfähiges politisches Organ existierte, entschied er allein. Die Realisierung der Novemberdeportationen stand im Widerspruch zur tschechoslowakischen Verfassung, die immer noch in Kraft war. Sowohl Tiso als auch die slowakische Regierung sowie das später gewählte Parlament waren sich des Unrechts bewußt. Am 5.6.1940, also fast zwei Jahre später, hat das slowakische Parlament ein Gesetz von Verfassungsrang verabschiedet, das u.a. die Deportationen rückwirkend legalisierte. Bei alledem verfolgte Tiso seine eigene antisemitische Linie. Sie hatte ihre Wurzeln im autochthonen katholischen Antisemitismus der Vorkriegsjahre.

         Am 9.2.1939, also nach den Deportationen, erklärte Tiso freilich: „Die jüdische Frage wird in der Slowakei gerecht, sozial und menschlich gelöst werden.“

         De facto bedeuteten die Deportationen für die jüdischen Bürger Angst, Schrecken, Ausgeliefertsein, Armut und Unsicherheit. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik hatten sich die Juden noch als freie Bürger fühlen können. Nun brachte die junge slowakische Autonomie das Ende des normalen zivilisierten Lebens.

Die jüdische Gemeinde in der Slowakei mußte sich darüber klar werden, daß ihnen die Slowakei keine sichere Existenz mehr zu bieten hatte. Es ist sicher ein Schockerlebnis gewesen, aber wohin sollten sie denn auswandern? Wie sollten sie angebracht auf die Zustände reagieren? Sie gerieten immer wieder in eine auswegslose Position - bleiben und ein Opfer werden, ausreisen...?

Der Antisemismus ist auch in heutigen Demokratien eine sich fortpflanzende Erscheinung geblieben, aber nur in den faschistischen, nationalsozialistischen und totalitären Staaten ist er zum Gegenstand der Regierungspolitik geworden.

Es ist erforderlich anzumerken, daß es nicht möglich ist, Informationen über dieses Problem  aus der zeitgenössischen slowakischen Presse zu entnehmen, denn wie es auch eine umfangreiche Auswertung der zeitgenossischen Presse (über 36 Tages- und Wochenzeitungen) zeigt, wurden Zeitungsartikel zum genannten Thema nur im geringen Umfang veröffentlicht. Es gibt keinen einzigen Aufsatz, der diese Situation analysieren würde. Auch diese Tatsache ist für mich ein Beweis dafür, daß die Vertreter der autonomen Regierung und der HS¼S sich der Umstrittenheit der ganzen Aktion bewußt waren und sich ihrer nicht rühmen wollten. Anderseits wirkten sich Zensur und Selbstzensur voll aus.

         Im Ausland wurde dagegen über die Deportationen umfangreich berichtet. Zum Beispiel in Deutschland (Völkischer Beobachter, Der Führer, Volksgemeinschaft, Frankfurter Zeitung, Der Alemann, Deutsche Allgemeine Zeitung, Freiburger Zeitung u.a.), in Frankreich (Pariser Tageszeitung), in der Schweiz (Neue Zürcher Zeitung, Rundschau über Politik, Wirtschaft und Arbeiterbewegung), in Rumänien (Bukarester Tagesblatt), in Ungarn (Pester Lloyd), in Böhmen (Prager Presse, Sudetendeutsche Zeitung).

Trotz den umfangreichen Informationen über die Novemberdeportationen in der europäischen Presse kenne ich bisher bloß eine einzige internationale diplomatische Intervention zugunsten der deportierten Juden.

Von der Existenz der Internierungslager im Niemandsland haben auch die britischen Botschafter in Prag - B.C.Newton und Budapest - G. .Knox Kenntnis genommen. B.C.Newton dachte, daß sich in diesen Lagern reichsdeutsche Juden oder Juden aus dem Sudetengebiet befanden. Er sandte auch den Bericht von Marie Schmolka am 10.12.1938 an das „Foreign Office“. Ebenso intervenierte er zugunsten der Lagerinsassen bei dem tschechoslowakischen Außenminister František Chvalkovský,  worüber er  am 20.12.1938 auch das „Foreign Office“ informierte[12].

 

10.1.2.2.Adolf Eichmann und die ersten Deportationen aus dem Gebiet der Slowakei im November 1938

Es sollte nicht außer Acht bleiben, daß sich an der Deportationsvorbereitung  auch die Organe des nationalsozialistischen Deutschlands  beteiligten.  Auf diese Tatsache haben bereits L. Rotkirchen[13] I. Kamenec[14] und J.K.Hoensch[15] hingewiesen.

Der Tatbestand war im Herbst jedoch etwas komplizierter als es die beiden  genannten Historiker geschildert haben. Vor allem das Engagement seitens der Organe des nazistischen Deutschlands liefert ein Beweis dafür, daß nicht nur der radikale Teil der Hlinkas Slowakischer Volkspartei (HS¼S) in Verbindung mit ihnen stand, sondern  auch einer Zusammenarbeit ihnen gegenüber offen war[16], z.B. hinsichtlich der sog. Lösung der jüdischen Frage in der Slowakei. Der Leiter der „Zentrale  für die Lösung des jüdischen Problems in der Slowakei“ ,Jozef Faláth[17], stand bereits im Oktober 1938 in Verbindung nicht nur mit den Vertretern des nazistischen Deutschlands in Wien, sondern auch mit den radikalen Flügel der HS¼S um Mutòanský, die in  Rundfunksendungen aus Wien, mit Unterstützung des nazistischen Deutschlands die Propaganda gegen die Tschechoslowakische Republik organisierten. ¼. Mutòanský organisierte in Wien auch die sog. „Slowakische Legion“.[18]

J.   Faláth stand auch in Verbindung mit den deutschen „Journalisten“, die in Bratislava tätig waren, vor allem mit Kuno Goldbach, dem Redakteur des „Völkischen Beobachters“ und L. Carbus.

Es sollte hinzugefügt werden, daß es von dem Aufenthalt von A. Eichmann in Bratislava und seiner  Unterstützung bei Judendeportationen im November 1938 weder in den bis jetzt herausgegebenen Büchern und Biographien über A. Eichmann[19] noch in den edierten Unterlagen zum Gerichtsprozeß gegen A. Eichmann in Jerusalem keine Notiz gibt.[20]

Eichmann leitete im Jahre 1938 die „Zentrale für jüdische Auswanderung“ in Wien. Der bisherige Ideologe des SD konnte endlich nach dem Anschluß Österreichs an Deutschland im März 1938[21] die zwangläufige Auswanderung der in Österreich lebenden Juden in die Praxis umsetzen.

         Aus intentionalistischer Sicht kann man zu dem Problem „Holocaust“ sagen, daß sich Eichmann hauptsächlich in der zweiten Hälfte der 30er Jahre mit dem Problem der jüdischen Kommunität im nationalsozialistischen Deutschland und mit der Lösung dieser „Frage“ auseinandersetzte. Eichmann verfaßte einige Aufsätze über die „Lösung der jüdischen Frage“, hielt Vorträge, organisierte ideologische „Schulungen“ zur Vorbereitung der sog. Lösung dieser Frage.[22] Als Leiter der Wiener „Zentrale“ für Auswanderung wurde er zum erfolgreichsten Organisator der Zwangsauswanderung der Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Eichmann selbst wußte im November 1938, daß Ende September 1938 die polnischen Juden aus Deutschland an die deutsch - polnische Grenze abgeschoben wurden, die dann nach und nach von der polnischen Seite aufgenommen wurden. Diesen Juden entzog der polnische Staat die Staatsbürgerschaft, bzw. wollte in absehbarer Zeit diese Maßnahme durchführen.

         Sobald es nach dem Wiener Schiedsspruch zu willkürlichen Angriffen gegen die Juden kam, war Eichmann sofort bereit, sich an den Judendeportationen aus der Slowakei zu beteiligen, um weitere Erfahrungen mit der Realisierung der jüdischen Frage außerhalb Deutschlands zu sammeln.  Der autochtone slowakische klerikale Antisemitismus schuf bereits im November 1938 ausreichende Resonanzfläche für die Anwendung der radikalen „Methode“ der sog. Lösung der jüdischen Frage.

Eichmanns Aufenthalt in Bratislava wurde durch die Äußerung D. Wislicenys, des Beraters für die sog. Lösung der jüdischen Frage in der Slowakei,  bekannt, der wortwörtlich sagte: „Hier (d. h. in Bratislava - E.N.) organisierte er den Abschub der Juden auf die Gebiete, die laut dem Wiener Schiedsspruch  in Belvedére an Ungarn abgetreten werden sollten. Wie er selber (d. h. Eichmann - E. N.) sagte, wurde er von dem damaligen Ministerpräsidenten, J. Tiso, empfangen.“[23] Wisliceny führte an, daß Eichmann von Kaltenbrunner in die Slowakei geschickt wurde. Von Kaltenbrunners Rolle in der ganzen Causa habe ich bis jetzt nichts Näheres erfahren. Die meisten Informationen habe ich aus der erhaltenen Aussage J. Faláths, verfaßt wahrscheinlich 1941, die später  auch durch A. Mach bestätigt wurde.[24]  Mit A. Eichmann hat ihn in Anwesenheit von F. Ïurèanský und A. Mach, der bereits erwähnte Reporter des „Völkischen Beobachters“, K. Goldbach, bekannt gemacht, wobei „wir die ganze jüdische Frage gründlich besprochen haben.“[25] Am 3.11.1938 setzte man die Verhandlungen im Hotel Carlton fort, an denen sich außer J. Faláth, A. Eichmann und K. Goldbach auch J. Kirschbaum und später auch F. Karmasin und der Redakteur Mottl beteiligten. Diese Tatsache würde die Teilnahme  der höchsten Vertreter der deutschen Minderheit in der Slowakei schon an der Vorbereitung des ersten Angriffes gegen die jüdische Kommunität in der Slowakei beweisen. Ebenso würde auch J. Kirschbaum, der Befehlsinhaber  der Akademischen HG, die Teilnahme des radikalen Flügels der HG bestätigen.  

 An dem gleichen Abend suchten J. Faláth, A. Eichmann, K. Goldbach und J. Kirchbaum den Ministerpräsidenten der slowakischen autonomen Regierung auf, um ihn zu informieren, daß es „in der Slowakei viele jüdischen Emigranten und Heimatslose gibt, die man als bedrohende Elemente loswerden und in die Südslowakei versetzen müßte.“ Nach Faláths Äußerung kamen Eichmann und Goldbach am 4.11.1938 auf  J.Tisos Befehl in das Landesamt, wo ihnen Tiso „nach einem gründlichen Durchlesen“ den Deportationsvorschlag vorlegte[26], und „beauftragte mich mit der Durchführung  der ganzen Angelegenheit.“ Anschließend teilte Faláth dem Ministerpräsidenten Tiso mit, daß er jetzt zusammen mit Eichmann und Goldbach[27] auf das Polizeidirektoriat gehe, um dort die Deportationen zu organisieren.  Hier teilte J. Faláth dem Polizeidirektor J. Jusko mit, daß er im Auftrag von J. Tiso diese Aktion realisieren soll  und begann die Telegramme an die Bezirksämter zu verschicken. Während der Deportationsdurchführung besuchte ihn auf dem Polizeidirektorium[28] auch der Übergeordnete Eichmanns aus Wien, Dr. Stählecker mit seinem Gefolge.

         Es sollte hinzugefügt werden, daß wir von diesem Vorgang durch den Polizeidirektor J. Jusko, auf Grund seiner Aussage im Prozeß gegen I. Koso, informiert sind.[29] J. Jusko führte an, daß er an diesem Abend I. Koso, den Präsidialchef des Innenministeriums[30] aufsuchte und gemeinsam mit ihm auf das Polizeidirektorium zurückkehrte. „Auf dem Hof des Polizeidirektoriums zeigte ich ihm Männer, Frauen und Kinder jüdischer Herkunft, die nicht gemäß dem Wetter angezogen waren. Damals regnete es. Dann erklärte ich I. Koso, daß Dr. Faláth gemeinsam mit einigen Deutschen auf das Polizeidirektorium kam und diese zusammen im Auftrag des Dr. J. Tiso die jüdische Frage lösen werden und daß sie auf das ganze Gebiet der Slowakei Telegramme verschickten.“[31] Darauf gingen sie zu J. Tiso und „baten ihn um eine Erklärung“. J. Tiso sollte laut J.Juskos Aussage gesagt haben: „Gestern war hier im Carlton die ungarische Delegation. Vor dem Carlton wurde für den Anschluß von Bratislava an Ungarn demonstriert. Die meisten Demonstranten  waren Juden. Wenn sie nun ihr Herz dahinzieht, sollen sie dahin auch gehen. Ich habe Dr. Tiso erklärt, daß sie unsere Bürger sind und deswegen wir dies in Ordnung zu halten haben. Die ganze Angelegenheit könnte nämlich zu zwischenstaatlichen und sogar internationalen Komplikationen  führen. J. Tiso hat es nicht überrascht, was ich ihm referiert habe, was mich vermuten läßt, daß er davon wußte und daß Dr. Faláth mit seiner Zustimmung Handelte. Nach meiner Einwanderhebung wurde es Dr. Jusko von Dr. Tiso angeordnet, daß die Fortsetzung der Aktion aufgehoben werden soll. Ob sie wirklich aufgehoben wurde und was mit den an die Grenze Abgeschobenen passiert ist, das weiß ich nicht.“

Die zeitgenössischen Aussagen von I. Koso und J. Jusko bezeugen, daß Dr. Tiso von den Deportationen informiert war und begründete  sie mit der pro-ungarischen Demonstration am 1.11.1938, womit er die schon erwähnte Argumentation von K. Sidor übernahm. So wäre er der damaligen Propaganda unterlegen, an der auch die damalige Regierungsmacht mitbeteiligt war, und die dafür plädierte, daß die Juden dahinziehen sollen, wo sie glauben, daß es ihnen besser gehen wird. Unter dem Blickwinkel dieser Erklärung Tisos könnte man die Judendeportationen für eine Kollektivstrafe der ganzen jüdischen Kommunität für das Auftreten einiger Hunderte ihrer Mitglieder halten. Wie ich schon erwähnte, dauerte die Demonstration nur kurz und konnte an dem Schiedsspruch nichts mehr ändern. Kosos Argumente haben J. Tiso jedoch von der Notwendigkeit der Änderung überzeugt. Am Abend des 4.11.1938 erhielten die Bezirksämter ein neues, aktualisiertes Telegramm, wodurch die betroffene Zielgruppe der Juden geändert wurde.  Deportiert werden sollten “die Juden, die fremder Staatsangehörigkeit waren und die Juden, die in der Gemeinde, wo sie sich gerade aufhalten, kein Heimatsrecht haben.“ Sie sollten sofort in ihre Heimatgemeinden gebracht werden.[32] Von dem zweiten Telegramm hat Faláth nichts gewußt. Dadurch kam es bei der Durchführung der Aktion zu einem ungeheueren Chaos, denn die zusätzlichen Fragen  seitens der Bezirksämter beantwortete Faláth laut der Anordnungen des ersten Telegramms. Die Bezirksämter fingen bereits die Deportation nach dem ersten Telegramm zu realisieren.

Mit dem Anfang der Deportationen habe ich mich ganz bewußt und absichtlich so ausführlich befaßt. Später  hat nämlich A. Mach behauptet, daß es sich damals noch „um keinen Regierungsakt handelte.“[33] Ein Teil der Autoren, z.B. der bereits erwähnte P. Èarnogurský hielt diese Aktion für eine eigenwillige Aktion der HG. Meiner Meinung nach läßt sich aus den beigelegten Dokumenten eindeutig herauslesen, daß die Deportationen von J. Tiso genehmigt waren. Obwohl sich an der Vorbereitung der Anordnung auch A. Eichmann beteiligte, kann er jedoch für die eigentliche Deportation nicht verantwortlich gemacht werden. J. Tiso war als Ministerpräsident und Innenminister mit dem Inhalt des Dokumentes einverstanden und übernahm dadurch die volle Verantwortung für die Durchführung  der Akt

 

10.1.3.Eingriffe in das Wirtschaftsleben

Die slowakische autonome Regierung wollte das Judenproblem durch einen allmählichen Ausgleich des Verhältnisses zwischen der Anzahl jüdischer Einwohner (4%) und ihren Wirtschaftspositionen lösen.

Im allgemeinen kann man sie folgendermaßen aufteilen: die vom Staat organisierte Aktionen, z.B. Verbot des Sonntagsverkaufs, Kontrolle der Gewerbescheine, die antijüdisch und antitschechisch orientiert war.

Es kam auch zu willkürlichen „von unten“ organisierten Maßnahmen, z.B. Boykott der jüdischen Geschäfte, orgnaisiert v.a. von der HG (z.B. in Spišská N.Ves), das als eine Vorstufe der späteren Arisation verstanden werden kann.

 

 

10.1.3.1. Verbot des Sonntagsverkaufs auf Grund der Verordnung vom  29.11.1938

Die wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Juden bezweckten hauptsächlich die Schwächung der starken jüdischen Konkurrenz. Am 29.10.1938 hat das Landesamt den Sonntagsverkauf verboten, wodurch v.a. die jüdische Kommunität getroffen werden sollte, denn nur ihre Geschäfte waren auch samstags geschlossen. In dieser Hinsicht sollte hinzugefügt werden, daß es in manchen Regionen der Slowakei zu diesem Verbot schon früher kam (z.B. in Liptovský Mikuláš). Noch vor der Ausgabe der Verordnung vom 29.10.1938 schickten die Mitglieder der gewerblichen Kreisgemeinde in Topo¾èany[34], noch am 27.10.1938,  J.Tiso ein Memorandum, in dem sie „auf die am brennendsten und schmerzhaftesten Tatsachen hinweisen wollten, die schon seit 20 Jahren ein gesundes wirschaftliches Leben slowakischer Handwerker und Kaufmänner ruiniert“. Das Memorandum enthielt auch einige antijüdischen Forderungen, wie die Einführung sonntäglicher Ruhe und die Revision aller Gewerben.

 

10.1.3.2. Kontrolle der Gewerbescheine und die damit verbundenen Eingriffe in das gewerbliche Unternehmen. Erzwungene Veränderungen in der Leitung der Gewerbekammern

         Eine Kontrolle von Gewerbescheinen darf jeder Staat durchführen. Im Fall der slowakischen autonomen Regierung wurde in den Anordnungen über die kurzfristigen Maßnahmen wortwörtlich gesagt: „Gegen die Mißgünstlinge des slowakischen Volkes, besonders gegen jene des jüdischen Glaubens und jüdischer Nationalangehörigkeit…“[35]. Auf Grund dieser Verordnung wurde die Kontrolle der jüdischen Gewerbescheine durchgeführt und keine neuen genehmigt. In manchen Ortschaften kam es sogar zum Ausschluß der jüdischen Händler aus den Gewerbekammern (z.B. Zvolen, Topo¾èany).

 

10.1.4.1. Eingriffe in folgende Berufe: Notare, Richter u.ä.

         Diese Eingriffe beruhten auf keiner gesetzlichen Norm. Wir kennen jedoch Eingriffe, seitens der Stadtbeamten (z.B. in Bardejov wurden alle Juden, außer dem Buchhalter,  entlassen; in Pieštany kam es zum Boykott eines jüdischen Beamten). Wir wissen  auch von Eingriffen, in die Berufsausübung der staatlichen Notare, die bis zum Ende der Autonomie ihres Amtes enthoben worden waren, bzw. an andere Orte versetzt wurden (z.B. Bardejov). Im Falle der Richter ist uns bekannt, daß sie zu Ende der Autonomie keine Agenden mehr bekamen bzw. mit neuen Fällen nicht beauftragt worden waren. Am besten sind wir über die Eingriffe gegen die staatlichen jüdischen Lehrer informiert. Der Abgeordnete P.Èarnogurský sagte während der zweiten Sitzung des slowakischen Landtages: „Im Vorfeld haben wir 126 jüdische Lehrer des Amtes enthoben, die in Folge ihrer Rassenangehörigkeit zwangsläufig im Widerspruch zur nationalen und christlichen Erziehung unserer Jugend stehen.“[36]

 

10.1.4.2. Weitere nicht spezifische Eingriffe

Zu den meisten dieser Angriffe kam es in der antijüdischen Atmosphäre, die von der offiziellen Regierungspropaganda noch unterstützt wurde. Es geht v.a. um die Angriffe in der Presse, die unter der Aufsicht der HS¼S stand. Und zwar sowohl in der zentralen Presse „Slovák“, „Slovenská pravda“, „Gardista“, „Nástup“ als auch in den regionalen Zeitungen, z.B. „Nove Piešany“, „Štiavnièan“, „Národná strន u.a.

Die einfachsten Erscheinungen dieser Art des Antisemitismus waren die antijüdischen Anschriften an den Säulen und Gehsteigen, oder direkt an den Schaufenstern der jüdischen Geschäfte (z.B.in Bratislava, Nitra, Ilav, Kežmarok, Liptovský Mikuláš, Banská Bystrica u.a.)

Unter dem Einfluß der antijüdischen Propaganda wurden in vielen slowakischen Städten die Fensterscheiben bzw. Schaufenster der jüdischen Geschäfte zerschlagen (z.B. in  B.Bystrica, Bratislava, Bardejov, Levoèa, Turany, Poprad u.a.). Eine der Reaktionen auf diese Situation war das Kennzeichnen der christlichen Geschäfte mit der Aufschrift „Christliches Geschäft“, „Arisches Geschäft“ (z.B. in  Bratislava, Banská Bystrica).

Es gab auch Anschläge auf die Synagogen (z.B. Brandstiftung der beiden Synagogen in Trnava, Fensterzerschlagung in  Turany). Es kam sogar zur Plünderung der jüdischen Friedhöfe (im größten Umfang im Bezirk Malacky).

Individuelle Erscheinungen des Antisemitismus findet man auch in den demokratischen Staaten. In der Zeit des autonomen Landes Slowakei hat sich nicht nur die Majoritätsbevölkerung, sondern auch die jüdische Minorotät daran gewöhnt, daß die Verstoße gegen die Gesetzgebung nicht bestraft wurden. Der Antisemitismus wurde zu einem Bestandteil der Regierungspolitik.

 

 

10.1.4.3. Pogrome in manchen slowakischen Städten (Piešany, Trnava)

         In Piešany[37] veschlechterte sich die Situation der jüdischen Kommunität abrupt nach der Gründung der HG. Die HG hat auch bei den Novemberdeportationen geholfen und zu dieser Zeit kam es auch zu den ersten Zwistigkeiten zwischen den Polizeiorganen und der HG. Die HG spaltete sich in einen milderen und einen radikalen Flügel. Die Radikalen verlangten eine schnelle Lösung der  „jüdischen Frage“. Dazu wurde die radikale Gruppe auch noch von der dortigen deutschen Minderheit und von den slowakischen Radikalen in Wien unterstützt. Nicht von geringer Bedeutng ist auch die Tatsache, daß den Radilen manche Leute in höheren Amtsposten, der Stadtbeamte, der Lehrer und sogar der katholische Priester angehörten. Die erste Etappe würde sich als eine antijüdische Plakatekampagne bezeichnen lassen. Anfang März steigerte sich die gespannte Situation zu einem lokalen Pogrom. Von nun ab wurden die Juden verhaftet, geprügelt, ihre Geschäfte ausgeplündert. Um dem Pogrom ein Ende zu machen, mußten die Polizeitruppen aus der Umgebung herbeigerufen und das Standsrecht - Ausgangsverbot in der Nacht - erteilt werden.

         Eine ähnliche Situation herrschte auch in Trnava.[38] Im Dezember 1938 wurden beide Synagogen in Brand gesteckt, viele Fensterscheiben der jüdischen Häuser und Schaufenster der jüdischen Geschäfte zerschlagen und ihre Geschäfte ausgeplündert.

Zur schärfsten Aufspitzung der Situation kam es in Trnava um die Monatswende Januar-Februar 1939, als sich die Vertreter beider jüdischen Gemeinden in Trnava direkt an J.Tiso wendeten, weil das Kreisamt in Trnava auf keine der bisherigen Beschwenden reagierte. Es kam zu einer Intervention von dem Ministerpräsident und die Situation hat sich zeitweilig beruhigt.

         In beiden Fällen kann man sagen, daß die Unruhestifter über diese radikale Einnstellung bereits zur Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik verfügten und manche von ihnen eben infolge ihrer Radikalität untersucht oder auch verurteilt wurden. Sobald das Verfassungs- und Gesetzgebungssystem zusammenbrach, konnten die „Radikalen“ ihre Vorstellungen in die Praxis umstetzen., wobei die Verwaltungs-,  Polizeiorgane und Gerichte keine Gegenmaßnahmen getroffen haben und dadurch die Fortpflanzug der Gesetzwidrigkeit  ermöglichten.

 

10.1.5. Vorbereitung der antijüdischen Gesetzgebung

         Aus der Zeit der Autonomie sind nur  Entwürfe der „jüdischen Gesetze“bekannt. Die autonome Regierung bildete am 21.1.1938 das sog. Sidorkomitee[39], das die „jüdischen Gesetze“ in der Form der Regierungsverordnungen, die Definition des Begriffes Jude, die Konskription des jüdischen Eigentums ausarbeiten und das wirtschaftliche Unternehmen jüdischer Büeger einschränken sollte.

         Eine schriftliche Ausarbeitung diser Gesetze ist nicht bekannt, aber die schnelle Umsetzung und Handhabung  z.B. der Definition des Juden, der Regierungsverordnungen über das Verbot der Berufsausübung (z.B. Notare, Ärzte (numerus clausus), Apothekare, Journalisten u.a.) kurz nach der Erklärung des slowakischen Staates weist darauf hin, daß die autonome Regierung die antijüdische Gesetzgebung im voraus vorbereitet hatte.

 

10.2.Allgemeine anitdemokratische Eingriffe, durch die auch die Majoritätsbevölkerung betroffen wurde.

10.2.1.Eingriffe gegen die Selbstverwaltung

Die autonome Regierung begann gleich nach der Machtübernahme am 6.10.1938 gegen die Selbstverwaltungorgane, also gegen die  Gemende- und Stadtvertretungen, Räte, Bezirks- und sowie auch gegen die Landesvertretung einzurgeifen. Die eindeutige Ursache dafür war, daß in diesen Verwaltungsorganen außer der HS¼S auch andere Parteien samt den jüdischen vertreten waren. Am 19.10.1938 erteilte das höchste Verwaltungsorgan - das Landesamt - eine Anordnung, auf Grund dessen die Vertretungsorgane aufgelöst werden sollten. Aus der typologischen Sicht gingen das Landesamt, bzw. die Bezirksämter so vor, daß sie die Vertretungsorgane dort, „wo die bisherige Gruppierung der Gemendeverwaltung nicht ausreichende Haftung einer schnellen  Konsolidierung der Verhältnisse gawährleistet, oder wo an der Spitze der Gemeindeverwaltung ein solcher Bürgermeister steht, der sich für die heutigen Zeiten nicht eignet“, auflösten oder durch Regierungskommisare ersetzt wurden.[40] Imanchmal wurde dieser Vorgang „von unten“ initiiert. In solchen Fällen nahmendie HS¼S-Mitglieder noch vor der Regierungsanordnung die Auflösung der Vertretung vor. In Bánovce nad Bebravou wurden schon am 7.10.1938 die „Juden und Marxisten“ aus der Stadtverwaltung ausgescheden. Das gleiche passierte in der Bezirksvertretung in Topo¾èany am 16.10.1938. Die jüdischen Parteien, die „Sozialdemokratische partei“ sowie auch doe „Kommunistische Partei“ verloren ihre Mandate nach dem 23.1.1939, als diese Parteien aufgellöst wurden. (Regierungskommisar).

          

10.2.2.Verbot der Sport- und Wehrvereine

         Die autonome Regierung griff auch gegen Sport- und Wehrvereine ein, unter denen auch die jüdische Organisation „Makabi“ verboten wurde und sogar vor der Wahl in den Landtag im Dezember 1938. Gleichzeitig wurden die HG (die bewaffneten Truppen der HS¼S) zur einzigen berechtigten Wehrorganisation in der Slowakei ernannt. 

 

10.2.3. Verbot der politischen Parteien

Bereits Anfang Oktober 1938 kam es in der Slowakei zur Gleichschaltung des politischen Lebens. In der Zeitspanne der Autonomie der Slowakei (von 6.10.1938 bis 14.3.1939) gelang es einer, an Klerus und Volk orientierten politischen Partei – der HS¼S (Hlinkas slowakische Volkspartei), schrittweise das Machtmonopol an sich zu reißen. HS¼S hat sich den anderen Parteien gegenüber als die herrschende Partei verhalten,  sie verbot  die anderen Parteien (und initiierte später ihre Auflösung) oder deren freiwilligen Anschluß an die HS¼S veranließ.

Im Laufe einiger Wochen hat sie einem Teil von politischen Parteien einen Bund mit HS¼S aufgezwungen (am 8.11.1938 - Agrarpartei, Gewerbepartei, Volkspartei, Faschistische Partei, Volkssozialistische Partei.), und manche verboten (Kommunistische Partei – 9.10.1938, Sozialdemokratische Partei – 16.11.1938[41], inclusive Jüdischer Partei – 24.11.1938 und der „Vereinigten sozialistisch-sionistischen Partei“– 25.11.1938). Diese wurden am 23.1.1939 aufgelöst.

In dieser Hinsicht ist die Stellungnahme  der „Slowakischen Nationalpartei“ interessant, die in den Jahren 1932-35 ein politisch Verbündeter der HS¼S war. In der Walh 1935 kandidierten sie sogar gemeinsam. Später hatte die Bemühung der HS¼S - „Ein Gott, ein Volk, eine Partei“ - das Einstellen der politischen Tätigkeit des ehemaligen Verbündeten - der „Slowakischen Nationalpartei“ zur Folge. Die „freiwillige“ Vereinigung und Verbot der politischen Parteien muß man im Zusammenhang mit der ersten Wahl in den slowakischen Landtag am 26.11.19338 sehen, als HS¼S auf einer einheitlichen Kandidatenliste bestand.

Dabei erklärte Tiso: „Damit ist der brûdermorderliche Kampf der Slowaken untereinander beendet, und von heute an gibt es nur eine Partei, wie es auch nur ein einiges Volk gibt. Durch diese Einigung hat das Volk den allein richtigen Weg in eine bessere Zukunft betreten. Von heute an muß das Interesse das einigen slowakischen Volkes hõchstens Gesetz fûr jeder Slowaken sein. Wer sich gegen diese Einheit stellt oder sie zu hindern sucht, ist ein Feind und Verräter der võlkischen Sache und das Volk wird ihn erbarmungslos richten.“[42]

Die Vereinigung und das Verbot der politischen Parteien war einerseits dafür erforderlich, damit die HS¼S bei der Verhandlungen mit Tschechen behaupten konnte, sie vertrete alle Slowaken; andererseits konnte sie  die Wahl in den slowakischen Landtag mit einer einheitlichen Kandidatenliste vorbereiten.

 

10.2.4.Die Wahl in den slowakischen Landtag im Jahr 1938

Die slowakische Regierung schrieb am 26.11.1938 die Wahlen auf den 18.12.1938 aus, wobei die Kandidatenlisten im Sinn der Vorschriften des Wahlgesetzes spätestens einundzwanzig Tage vor dem Wahltermin, also bereits am nächsten Tag zu Mittag eingereicht werden mußten. Zu dieser Zeit war zwar die offizielle Kandidatenliste der Hlinkas Slowakischen Volkspartei vorbereitet, aber keine andere. Anschließend veranstaltete sie die Wahl mit einheitlicher Kandidatenliste.

Der „Võlkische Beobachter“ veröffentlichte schon am 23.12.1938 ein Interview mit J.Tiso, wo wir folgendes  lesen kõnnen: „Der slowakische Landtag, der Anfang Jänner zu seiner ersten Sitzung zusammentreten wird, soll etwa 75 Abgeordnete umfallen. Jeder in der Slowakei wohnhafte, der das 21.Lebensjahr vollendet hat, mit Ausnahme der Militärpersonen und Angehõrigen der Gendarmerie, besitzen das Wahlrecht. Es wird nur auf einer Liste, der Liste der Slowakischen Volkspartei Hlinkas, mit Ja oder Nein abgestimmt werden. Wählbar ist jeder, der ûber 30 Jahre alt ist, mit Ausnahme der Juden. Auf der Liste der HS¼S werden auch die Vertreter der Volksgruppen kandidieren.“[43]

Während der Wahlkampagne kam es zu Angriffen gegen Tschechen und antisemitistischen Ausbrüchen. Das Propagandaamt vorbereitete die antijüdische Plakatekampagne. Auf dem Plakat stand: „Slowaken, Christen! Die Juden sind schon immer euere Ausbeuter gewesen. Heute müssen sich alle Nichtjuden zu einem einzigen antijûdischen Block zusammenschließen. Kauft nicht mehr beim Juden! Nur den Juden wegen mußten nach  Juden nach zwanzig Jahren 276.000 Slowaken wieder an Ungarn abgetreten werden. Vor 1918 gaben sich die Juden hier als Magyaren aus. Vor dem 6.Oktober d.J.waren sie Tschecho-Slowaken, auf dem von Ungarn besetzten Gebiet sind sie nun wieder Magyaren und in der Slowakei werden sie gern Slowaken sein“[44]. Diese Plakate wurde von J.Tiso unterschrieben. 

Die Tschechen und Juden durften nicht kandidieren[45]. Für die alle Nationalitäten (Slowaken, Tschechen, Deutschen, Magyaren und Juden) wurden jeweils getrennte Wahlräume errichtet[46] und zwar mit der Absicht, durch diese verbesserte Kontrolmöglichkeit die Wahlergebnisse beeinflussen zu können.

Auf diese Art und Weise realisierter Proportionalwahl, die bei einheitlicher Kandidatenliste ihren Sinn bereits verloren hatte, gewann die HS¼S die Stimmenmehrheit (dementsprechend 50 von 63 Abgeordneten).

         Über den Charakter der dieser Wahl erfährt man mehr aus der Rede des „Führers“ an die Karpathendeutschen.  Noch vor der Wahl er sagte: „In der Slowakei kandidiert nur eine Partei mit einer Liste, die von Ministerpräsident Tiso gefûhrt wird. ...Unter den Kandidaten befindet sich fûnf Deutsch, von denen nach drei gewäht werden“[47]

         Die antifaschistische Tageszeitung „Pariser Tageszeitung“ berichtete am 20.12.1938 wie in der Slowakei gewählt wurde. „Ganz nach dem nationalsozialistischen Muster haben am Sonntag in der Slowakei die Wahlen zum ersten slowakischen Landtag stattgefunden. Es gab nur eine einheitsliste, die der HS¼S, die mit 98 Prozent natûrlich siegte, bei einer Wahlbeteilung von 95 Prozent“.[48]

        

         Die Lage der jüdischen Kommunität verschlechterte sich immer mehr. Die autonome Regierung hat zielgerichtet solche Schritte unternommen, die die Juden durch permanente Verschlechterung der Lebensverhältnisse zum Verlassen des Landes zu zwingen. In dieser Zeit verließen etwa 4000-6000 Juden das Land. Aber nicht alle konnten weggehen. Die einzelne Eingriffe wiesen darauf hin, daß das „jüdische Problem“ immer radikaler gelöst wurde. Schon in der Zeit der Autonomie war aus der typologischen Sicht der Großteil der Eingriffe nachweisbar; die dann in der Zeit des slowakischen Staates im größeren Ausmaß durchgeführt wurden.

         Der Widerrechtlichkeit der Eingriffe gegen die jüdische Kommunität waren sich auch die Vertreter der autonomen Regierung und des später gewählten Parlamentes bewußt und ließen darum im Jahr 1940 ein Gesetz verabschiden, das nachträglich alle Widerrechtlichkeiten von früher Zeit legalisierte. 

 

 

10.3.Anhang

 

 

Dokument I.

 

Polizeidirektoriat in Bratislava. Dr.Kozinka.

 

Telephonogramm.

 

                                              Nach dem Verteilungsschüssel,

an die abzutretenden Kreise nicht weiterzugeben.

 

 

Auf Befehl des Herrn Ministerpräsidenten, Jozef Tiso, wird folgendes angeordnet:

Betreff: Abschiebung der mittellosen Juden aus den jüdischen Hauptsiedlungen in die abgetretenen Gebiete.

 

Spätestens bis zum 5.11.1938 sind diese Maßnahmen durchzuführen:

 

I.

 

1. Aufgrund der Verordnung des Innenministeriums ist es notwendig, bis spätestens 24 Uhr des Tages 4.11.1938, alle Kreispolizeiwachen wie auch die Truppenleiter der HG in der Südslowakei anzuweisen, mittellose Juden, die sich in ihren Kreisen aufhalten, zusammen mit ihren Familienangehörigen auf Lastwagen  über die neue Grenze zu transportieren.

2. Die Juden dürfen nur ein angemessenes Kostgeld in Höhe von 50 Kronen pro Person behalten.

3. Wo es die lokalen Bedingungen ermöglichen, ist es erforderlich, die Juden einige Kilometer weit in das Innere des abgetretenen Gebietes zu transportieren.

4. Mit Hilfe der Staatsorgane sind die Wohnungen und Geschäftsräume der abgeschobenen Juden abzuschließen und zu versiegeln. Außerdem sind die vermögensrechtlichen Verhältnisse noch vor der Abschiebung zu überprüfen. Besonders auf Spar- und Bankeinlagebücher ist bei dem Eingriff zu achten.

5. Von den amtlichen Dienststellen ist an die „Zentrale für die Lösung des jüdischen Problems in der Slowakei“, d.h. im Polizeidirektoriat in Bratislava, Herrn Faláth, ein genaues Verzeichnis aller abgeschobenen Juden samt ihren persönlichen Angaben vorzulegen, ebenso ein Verzeichnis aller abgesperrten Wohnungen, Geschäfte und des gesamten sichergestellten Materials.

6. Der Vorlagetermin ist der 6.11.1938.

7. Das sichergestellte Material bleibt bei den zugehörigen Dieststellen bis zur nächsten Verordnung.

 

  II.

Alle wohlhabenden in der Slowakei niedergelassenen Juden mit einem Vermögen über 500.000 Kronen sind spätestens bis zum 4.11.1938, 24 Uhr, in zeitweilige Haft zu nehmen, um zu verhindern, daß diese ihr Vermögen in Sicherheit bringen oder transferieren.

Nach der Feststellung der vermögensrechtlichen Zuständen sollen die dafür zuständigen Behörden für die „Zentrale für die Lösung des jüdischen Problems in der Slowakei“ einen ausfürlichen Bericht über jeden einzelnen Fall erstatten. Von Entlassen dieser vorübergehend Festgenommenen soll vorläufig abgesehen werden.

Weitere Regelungen erteilt die ,Zentrale für Lösung des jüdischen Problems in der Slowakei’ in Bratislava.

 

  III.

Verordnung - Punkt I., II., sind nicht auf Juden fremder Staatsangehörigkeit zu beziehen, eine Außnahme gilt nur für die Juden, die Angehörige des polnischen, deutschen, ungarischen und rumänischen Landes sind.

 

Diese Regelungen können in eigener Verantwortung von dem Kreisleiter nach den lokalen Verhältnissen umgeändert werdena.

 

a Unter dem Dokument befinden sich Unterzeichnungen des Kreisleitern von Banská Bystrica, Banská Štiavnica, Krupina, Kremnica, Nová Bana a Brezno.

 

SKA Zvolen, Fond KAZ, Karton 58, 210/1939.

 

 

 

 

Dokument II.

 

Polizeidirektoriat in Bratislava.

                                              Srdienko.

 

Telephonogramm.

 

Hinsichtlich der Verfügung zur Übersiedlung und Verhaftung der Juden, die an die Kreissämter weitergeschickt wurde, wird gemäß der Entscheidung des Ministerpräsidenten des Slowaksichen Landes folgende Änderung vorgenommen:

  1. Juden, die polnische, ungarische etc. Ausländer sind und Juden ohne Heimatrecht sind sofort, noch vor der Besetzung durch die Ungarn, mit Bussen oder anderen Transportmitteln auf das abgetretene Gebiet, mindestens 20 Km weit in das Innengebiet umzusiedeln.

  2. Juden, die in der Gemeinde, in der sie sich aufhalten, kein Heimatrecht haben, sind schleunigst in ihre Heimatgemeinde auszuweisen.

Hinsichtlich des Geldes und der Wohnungsversiegelung bleibt das urprüngliche Telegramm in Kraft.

 

Übergeben Sie weiter laut dem Verteilungsschlüssel.

Den, 4.XI.1938,  um 2120 Dolejšb.

 

b Unter dem eigentlichen Text des Dokumentes befinden sich die Unterschrifte der Vertätern von  Banskej Bystrici, Banskej Štiavnici, Krupiny, Kremnice, Novej Bane a Brezna.

 

SKA Zvolen, Fond KAZ, Karton 58, 210/1939.

 

 

 

Dokument III.

 

Amtliche Mitschrift:

Herr Ministerpräsident in Anwesenheit von Herrn Präsident Dr.Šimkoc und Herrn Sekretär Ing.Július Stano ordnete den Kreisämtern folgende Direktive an:

 

1.) Das Übersiedlungsvorgehen der Juden ist zu liquidieren.

2.) Ein ausführlicher Bericht über das Ergebnis des Übersiedlungsvorgehens, der Vermögensfestnahme und in dieser Hinsicht erworbenen Erfahrungen ist schleunigst zu übersenden.

                                                               den, 7.11.1938

 

Die Telephonogramme sind an die Kreisämter versendet worden.

Kreisamt in Trenèín

Kreisamt in Trnava

Kreisamt in Žilina

Kreisamt in Ružomberok

Kreisamt in Nitra

Kreisamt in Revúca

Kreisamt in Bratislava

Kreisamt in Poprad

Kreisamt in Modrý Kameò

Kreismat in Zvolen

Kreisamt in Michalovce

Kreisamt in Prešov                                                                  

 

 

c Dr.Julián Šimko - Prezident des Landesamtes in Bratislava.

 

SNA in Bratislava, Fond des Landesamtes, Karton 309, 6998/38 prez.

 

 

 

 

 

DIE DEPORTIERTEN JUDEN AUS EINZELNEN KREISEN[49].

 

 

Kreis

Deportierte

Rückkehrer

Bánovce nad Bebravou

62

16

Banská Štiavnica

52

Zahl unbekannt

Banská Bystrica

40

14

Bardejov

308

„bald alle“

Bratislava

19

Zahl unbekannt

Bratislava (Stadt)

4000

Zahl unbekannt

Brezno

37

20

Èadca

15

7

Dobšiná

Zahl unbekannt

7

Dolný Kubín

Zahl unbekann

Zahl unbekannt

Gelnica

78

„bald alle“

Giraltovce

69

Zahl unbekannt

Hlohovec

101

„bald alle“

Hnúša (Rimavská Sobota)

1Person + 4 Familien

Zahl unbekannt

Humenné

123

„bald alle“

Ilava

30

Zahl unbekannt

Kežmarok

237

Zahl unbekannt

Kremnica

2

1

Kysucké Nové Mesto

0

0

Krupina

32

3+?

Levoèa

83

Zahl unbekannt

Lovinobaòa

1

Zahl unbekannt

Liptovský Mikuláš

70

Zahl unbekannt

Malacky

28 Familien

0

Martin

20

3

Medzilaborce

20

Zahl unbekannt

Michalovce

299

„bald alle“

Modra

78

5

Modrý Kameò

8

0

Myjava

Zahl unbekannt

1

Námestovo

33

33

Nová Baòa

3+?

0

Nitra

205

67

Nové Mesto nad Váhom

75

„bald alle“

Piešany

101

8+?

Poprad

228

Zahl unbekannt

Prešov

197

Zahl unbekannt

Prievidza

10+?

4

Považská Bystrica

19

7

Púchov

18+?

Zahl unbekannt

Pukanec

Zahl unbekannt

Zahl unbekannt

Revúca

41

Zahl unbekannt

Ružomberok

30

Zahl unbekannt

Senica

21

1

Sabinov

156

141

Skalica

22

0

Snina

99

Zahl unbekannt

Sereï

Zahl unbekannt

Zahr unbekannt

Skalica

22

0

Spišská Nová Ves

95

„bald alle“

Spišská Stará Ves

28

Zahl unbekannt

Sobrance

102+?

102

Stará ¼ubovòa

49

0

Stropkov

0

0

Topo¾èany

115

28

Trebišov

0

0

Trenèín

84

Zahl unbekannt

Trnava

30 + eine Familie

10

Trstená

22

Zahl unbekannt

Ve¾ká Bytèa

8

Zahl unbekannt

Vranov

Zahl unbekannt

Zahl unbekannt

Zlaté Moravce

83

8

Zvolen

24

4

Žilina

106

Zahl unbekannt

 

 

 

 



[1] Hlinkas Slowakische Volkspartei – nationalistische und klerikal-katholische Partei mit autoritärer Prägung in der Slowakei. Der „Fûhrer“ dieser Partei – der katholische Pfarrer Andrej Hlinka (1864-1938) - starb im August 1938.

[2] Die Autonomie der Slowakei (offizielle Bezeichnung: „Das autonome Land Slowakei“) bestand vom 6.10.1938 bis zum 14.3.1939.

[3] Die erste Regierung: J.Tiso (HS¼S) – Ministerpräsident und Innenminister; F.Ïurèanský (HS¼S) – Justizminister; M.Èernák (HS¼S) – Schulwesenminister; P.Teplánsky (Agrarier) – Wirschafts-, Handels-, Finanzminister; J.Lichner (Agrarier) – Vehrkehrs- und Postminister;  J.Tiso vereinigte die Funktion des Parteivorsitzenden, Ministerpräsidenten und Innenministers und des obersten Befehlshabers der Hlinkas Garden (bewaffnete Truppen der HS¼S; weiter HG) in seiner Hand.

[4] HOENSCH, J.K.: Die Slowakei und Hitlers Ostpolitik – Hlinkas Slowakische Volkspartei zwischen Autonomie und Separation 1938/39. Kõln/Graz 1965, S.113.

[5] Slovenská pravda vom 8.10.1938.

[6] Nach dem Mûnchner Diktat sollte die tschechoslowakische Regierung Verhandlungen mit Polen und Ungarn ûber die „Grenzgebiete“ fûhren. Die Verhandlungen mit Ungarn begannen schon am 9.10.1938 in Komárno (Komarom) an der Donau.

[7] „Nach dem Vorliegen der ersten genauen Zahlen ergab die im Wiener Schiedsspruch der Tschecho-Slowakei auferlegte Gebietsabtretung einen Verlust von insgesamt 12.009 km und 1.041.494 Personen, davon in der Slowakei 10.423 km mit einer Gesamtbevõlkerung von 859.885 Einwohnern, 276.287 Slowaken, 505.808 Ungarn, 26.181 Juden, 8967 Deutschen und 1829 Ruthenen“. Zit.nach J.K.HOENSCH:  Der ungarische Revisionismus und die Zerschlagung der Tschechoslowakei. Tûbingen 1967, S.189.   

 

[8] ŠOKA (Das staatliche Bezirksarchiv) Dolný Kubín, Fond Notársky úrad Habovka, 2810/1938 adm.

[9] Encyklopedia JUDAICA, 6.Bd. Berlin 1930, S.735-741. Encyklopedia JUDAICA, Vol.6. Jerusalen 1971, S.849-850.

[10] NIŽÒANSKÝ, E.: Die Deportation der Juden in der Zeit der autonomen Slowakei im November 1938. In: Jahrbuch fûr Antisemitismus 7, 1998, s.20-45. NIŽÒANSKÝ, E. Deportácie Židov v novembri 1938 zo Slovenska v hláseniach styèných dôstojníkov. (Die Judendeportationen aus der Slowakei im November 1938 in den Meldungen der Verbindungsoffiziere In: Studia historica Nitriensia VII/1998. (im Druck).    NIŽÒANSKÝ, E.:Ohlas deportácii židov za autonómie Slovenska v európskej nemecky písanej tlaèi. (Das Echo auf die Judendeportationen in der Zeit des autonomen Landes Slowakei in der deutschsprachigen Presse). In: Studia historica Nitriensia VI/1997, s.69-80.  NIŽÒANSKÝ, E.: A.Eichmann a prvé deportácie Židov z územia Slovenska v novembri 1938. (A.Eichmann und die Novemberdeportationen aus dem Gebiet der Slowakei - im Druck).  NIŽÒANSKÝ, E. – SLNEKOVÁ, V.: Deportácie Židov za autonómie Slovenska 4.-5.11.1938. (Die Deportationen der Juden in der Zeit des autonomen Landes Slowakei von 4.-5.-11.1938). In: Studia historica Nitriensia V/1996, s.66-184

[11] Siehe die Anlage Dokumenten 1, 2, 3.

[12] Documents on British Foreign Policy 1919-1939. London 1950, Third Series, Vol. III., No.392, S.375f.

[13] ROTKIRCHEN, L.: The destruction of Slovak Jewry A Documentary history. Jerusalem 1961, S. XI. Siehe auch ROTKIRCHEN, L.: Slowakia II. 1919-1938. The Jews of Czechoslovakia. Historical studies and surveys. Vol. I. New York, S. 114 ff.

[14] KAMENEC, I.: Po stopách tragédie (Auf der Spur der Tragödie), Bratislava 1991, S. 25.

[15] HOENSCH, J.K.: Die Slowakei und Hitlers  Ostpolitik. Hlinkas slowakische Volkspartei zwischen Autonomie und Separation 1938/39. Kõln-Graz 1965, s.137.

 

[16] Siehe HOENSCH, J.K.: Die Slowakei und Hitlers Politik. Hlinkas Slowakische Volkspartei zwischen Autonomie und Separation 1938/39. Köln-Graz, 1965.

[17] JUDr. J. Faláth (geb. 27.03.1908 in Farkašín, Bezirk Trnava -?) gehörte schon als Student zum radikalen Flügel der HS¼S. 1927 trat er der „Rodobrana“ (Landesabwehr) bei. 1936 organisierte gerade dieser Mann anschließend an die Filmvorstellung „Golem“ die antijüdische Demonstration. Nach dem 6.10.1938 begleitete er F. Ïurèanský und A. Mach nach Wien zu den Verhandlungen mit Seys-Inquart und begleitete sie ebenso nach Deutschland zu den Verhandlungen mit Göring . Später wurde er zum Schriftführer von A. Mach. 1941 verbrachte er wegen seiner Radikalität - bzw. zu starker Orientierung an das nationalsozialistischen Deutschland einige Zeit im Gefängnis. Er plädierte für eine dem Protektorat Böhmen und Mähren ähnliche Staatsform auch für die Slowakei, was zu der Zeit auch für die damals führenden Persönlichkeiten des slowakischen Staates zu radikal war. Auf Anordnung A. Machs wurde er entlassen und beteiligte sich dann an den Judendeportationen 1942. Aus der Meldung des SD ergibt sich, daß bereits aus der Judendeportationen im November 1938 ein Kapitel für sich zu schlagen en wußte. Nach dem Krieg flüchtete er nach Österreich, wo er sich vorübergehend in der amerikanischen Besatzungszone aufhielt. 1948 wurde er vom Volksgericht zur 5-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er wurde jedoch von den österreichischen Behörden  nicht ausgelifert und lebte auch noch in den 60er Jahren in Österreich.

Archív ministerstva vnitra ÈR (Archiv des Innenministeriums der ÈR), Fond 316-140-5, H-533, 135-1-2, Z 651.

ŠOBA (das staatliche Kreisarchiv) Bratislava, Fond Volksgericht gegen ¼. Mutòanský Tn ¾ud 3/47. Beischrift vom 20.1.1947.

SNA (Slowakisches Nationalarchiv), Fond Volksgericht, Tn Volk 20/45 K. Klinovský (vom 1.11.1938 bis 14.3.1939 der Leiter der Abteilung des Sicherheitsdienstes) sagte am 16.9.1946 aus, daß er Herrn Faláth laut der Anordnung des Herrn Ministerpräsidenten für seine eigenwilligen Angriffe gegen Juden verhaften ließ. Faláth hat sich zu dieser Verhaftung in seiner Aussage nicht geäußert. Er erwähnte nur, daß ihm vorübergehend der Reisepaß entzogen wurde. Es ist auch möglich, daß sich K. Klinovský diese Verhaftung J. Faláths mit der späteren, im August 1941, verwechselte.

[18] Siehe  ŠOBA (Das Staatliche Bezirksarchiv) Bratislava, Fond Volksgericht gegen ¼. Mutòanský - Tn Volk 3/47. Zu den Anfängen der HG siehe auch SUŠKO, L.: Hlinkova garda od svojho vzniku po salzburské rokovania (1938-1940). In: Zborník  Múzea slovenského národného povstania II, 1968, S. 166-259. Völkischer Beobachter (Wiener Ausgabe), 30.9.1938, S. 8. Ausatz „Auch ein slowakisches Freikorps gegründet“.

[19] Ich,  Adolf Eichmann. Hrsg. V. R. Aschenauer. Augsburg 1980. ARENDTOVÁ, H.: Eichmann v Jeruzalémì (Eichmann in Jerusalem).Praha, 1995. Eichmann. Hrsg. o. J. EINSTEIN, S.: Eichmann. Chefbuchhalter des Todes. Frankfurt a. M.  o. J. FRIEDMANN, T.: Die „Ergreifung  Eichmanns“. Dokumentarische Sammlung. Haifa 1971. KAUL, F.K.: Der Fall Eichmann. Berlin (Ost), 1963. KÜNRICH, H.: Judenmörder Eichmann. Kein Fall der Vergangenheit. Berlin (Ost), 1961.  LANG, J.v.: Das Eichmann Protokoll. Wien-Darmstadt, 1991. LESS,A.W.: Der Staat Israel gegen Adolf Eichmann, 1995. NELLESSEN, B.: Der Prozeß von Jerusalem Düsseldorf-Wien 1964. REYNOLDS, Q.-KATZ,E-ALDOUBY, Z.: Adolf Eichmann. Konstanz-Stuttgart 1961. SCHMORAK, D.B.: Der Prozeß Eichmann. Wien 1964.

[20] Adolf Eichmann. Police D´Israel Quastier General 6-eme Bureau (1961). Protokoll der Verhandlung gegen Adolf Eichmann. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, (weiter DÖW), Fond A. Eichmann 5272/1-12.

[21] Siehe z.B. ANDERL, G.: Die „Zentralstellen für jüdische Auswanderung“ in Wien, Berlin und Prag - ein Vergleich. In: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 23 (1994), S. 275-299. MOSER, J.: Die Zentralstelle für jüdische Auswanderung . In: Der Pogrom 1938. Wien 1990, S. XXX Völkischer Beobachter (Wiener Ausgabe), 14.5.1939, S. 1, Aufsatz „Der Erfolg planmäßiger Arbeit. Bisher 100 000 Glaubjuden aus der Ostmark ausgewandert. Erfreulicher Fortschritt der Entjudung.“

[22] Siehe z.B. „Historikerstreit“. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. München 1987. NIŽÒANSKÝ, E.:K problému vzahu politickej ideológie a politiky v 20. storoèí.  (Intencionalisti a funkcionalisti.) (Zum Problem des Verhältnisses der politischen Ideologie und Politik im 20. Jahrhundert.  (Intentionalisten und Funktionalisten in der Historiographie der BRD)). In: Studia historica Nitriensia III/1995, S. 63-74. Die Intentionalisten haben die Rolle der politischen Ideologie als der Vorgängerin der konkreten Politik hervor. Vereinfacht gesagt, ohne das Buch „Mein Kampf“ hätte es keinen Nazismus und keinen Holocaust gegeben. A. Eichmann ist aus der Sicht der Intentionalisten ein deutliches Beispiel: von der  theoretischen Beschäftigung mit dem Problem des Judentums, inclusive der Vorträge als Ideologe des SD, zum Organisator der erzwungenen Auswanderung der österreichischen Juden bis zum Organisator der Judendeportationenin die Vernichtungslager im Jahr 1942.

[23] DÖW, Fond 12 311, Die Aussagebeischrift von D. Wisliceny vom 27.10.1946 in Bratislava, S. 5. Die Aussage ist in den Dokumenten, die sich in den Gerichtsakten zum Prozeß gegen D. Wisliceny in ŠOBA Bratislava befinden, nicht zu finden. In dem sich in Österreich befindenden Dokument gibt es den Vermerk, daß es sich nur um eine Kopie handele und das Original in Yad Vasched in Jerusalem aufbewahrt werde. „In Wien erneuerte Eichmann seine Beziehungen zu Kalterbrunner, der ’höherer SS und Polizeiführer Donau geworden war‘, und wurde von diesem während der tschechoslowakischen Krise im Herbst 1938 nach Bratislava geschickt. Hier organisierte er den Abschub von Juden in jene Gebiete, die nach dem Wiener Schiedsspruch in Belvedere an Ungarn abgetreten werden mußten. Wie er selbst erzählte, ist er damals auch von dem damaligen Ministerpräsidenten Dr. J. Tiso empfangen worden.“

[24] AMVÈR, Fond 10-P-179.

[25] AMVÈR, Fond 10-P-15/2. Fond H-533. Ein Teil der Aussage von J. Faláth befindet sich auch im Archív Múzeua SNP(Archiv des Museums des Slowakischen nationalen Aufstandes) in Banská  Bystrica, Fond VIII., Karton 8, 36/64, B/6 Nemci (Deutsche).

[26] Nach Faláths Behauptung war das Original auf Deutsch  verfaßt.

[27] Wahrscheinlich war gerade Goldbach derAutor des Aufsatzes, in dem von den Geschehnissen in der Slowakei die Rede war. „Mit der Regelung der jüdischen Frage nach dem deutschen Vorbild wurde Dr. J. Faláth beauftragt, der sie bereits zu lösen begann. Gemeinsam mit einem der besten deutschen Fachleute für die jüdische Frage, dem SS-Hauptsturmführer Adolf Eichmann, arbeitete er, auf der Grundlage der Nürnberger Gesetze, die jüdischen Gesetze aus. Beide ließen sich diese Arbeit von Ministerpräsidenten Tiso genehmigen. Dr. Faláth ordnete anschließend die Verhaftung aller reichen Juden in der Slowakei und den Abschub aller jüdischen Emigranten an. Gemäß dem Befehl wurden alle reichen Juden in Haft genommen und tausende von jüdischen Emigranten auf das an Ungarn abzutretende Gebiet abgeschoben.“ AMVÈR, Fond 316-140-5.

[28] SNA, in dem Fond des Polizeidirektoriums blieb das Dienstbuch vom Ende des Jahres 1938 nicht erhalten, so daß sich die Ankunft bzw. Aufenthalt J. Faláths, A. Eichmanns, K. Goldbachs u.a. auf dem Polizeidirektorium nicht nachweisen läßt.

[29] ŠOBA, Bratislava, Fond ¼udový súd (Volksgericht), I. Koso - 13/48.

[30] Der Innenminister war zu dieser Zeit J. Tiso.

[31] ŠOBA, Bratislava, Fond ¼udový súd (Volksgericht), I. Koso - 13/48. Siehe Erklärung J. Juskos vom 25.7.1947. Siehe auch AMVÈR Fond 10-P-179. Protokoll über die Aussage Dr. J. Juskos vom 9.3.1961.I. Kosos Aussage war ähnlich … „in der Zeit nach dem Wiener Schiedsspruch, aber noch vor dem Abtreten des slowakischen Gebietes an Ungarn suchte mich  im Museumscafé, abends gegen 19.00 Uhr, Dr, Jusko auf … dieser bat mich mit ihm auf  das Polizeidirektorium zu gehen… Draußen regnete es und auf dem Hof sah ich Männer, Frauen und Kinder jüdischen Aussehens, ungemäß angezogen. Im Büro, aber möglicherweise noch unterwegs, informierte er mich, daß auf das Direktorium Dr. Faláth mit einigen Deutschen und ihm Unbekannten käme und teilte ihm mit, daß er die Lösung der jüdischen Frage antreten möchte auf das ganze Gebiet der Slowakei Telegramme verschicken würde. Nach dieser Information sagte ich, daß wir hier nichts zu suchen haben und müssen uns direkt an Dr. Tiso wenden.“

[32] ŠOKA, Zvolen, Fond des Bezirksamtes Zvolen, Karton 58, 210/1938.

[33] AMVÈR, Fond 10-P-179. A. Mach in seiner Aussage vom 16.2.1961 behauptete:“ In der Nacht …, traf dieser JUDr. J.Faláth , Carbus (d.h. K. Goldbach) und noch ein Slowake beim Journaloffizier des Polizeidirektoriars in Bratislava ein, und teilte ihm mit, daß eine Sitzung der „autonomen“ Regierung stattfände. Hier wurde beschlossen, daß bis zu einem bestimmten Termin alle Juden aus den Grenzbezirken an die ungarische Grenze abgeschoben werden.

Ich erinnere mich nicht genau, aber es ist möglich, daß es sich noch um mehr Bezirke handelte, denn er hat sich mit Mühe erinnert, daß mich nachts jemand aus Trenèín angerufen hatte. In diesem Sinn wurde dann vom Polizeidirektoriat ein Telegramm an die Bezirke verschickt, damit die Aktion sofort durchgeführt wird.“ Eine Aktion, die bis  jetzt eigentlich nur ein Privatunternehmen von Carbus und Faláth war, bekam durch diesen Mißbrauch des Polizeidirektoriats in Bratislava einen amtlichen (offiziellen) Charakter. … In der Tat handelte es sich damals schon um einen Regierungsakt.

[34] Siehe JAMRICHOVÁ, A.: Židovská komunita v Topo¾èanoch v období autonómie Slovenska. (Die jüdische Gemeinde in Topo¾èany zur Zeit der autonomen Slowakei). (im Druck)

[35] ŠOKA Topo¾èany, Fond OÚ Banovce n.Bebravou, 1519/38 prez.

[36] Stenographisches Protokoll der zweiten Sitzung des slowakischen Landtages vom  21.-23.2.1939, Rede des Abgeordneten  P.Èarnogurský, S.50.

[37] Siehe PSICOVÁ, K.: Židovská komunita v Piešanoch v období autonómie Slovenska (Jüdische Gemeinde im Kurort Piešany zur Zeit der slowakischen Autonomie), (Im Druck).

 

[38] Siehe SLNEKOVÁ, V.: „Židovská otázka“ na úrovni mesta – Trnava v obodobí autonómie Slovenska“ (Die „jûdische Frage“ auf der Ebene der Stadt Trnava in der Zeit des Autonomen Landes Slowakei). In: Studia historica Nitriensia V., 1996, S.185-203.

[39] Die Mitglieder waren:  K.Sidor, M.Pružisnký, P.Teplanský, F.Ïurèanský, J.Virsík.

[40] ŠOKA Martin, Fond des Bezirksamtes Martin, 2963/38 prez.

[41] Siehe ŠUCHOVÁ, X.- RUMAN, L. – NIŽÒANSKÝ, E.: Dokumenty k likvidácii politických strán o období autonómie Slovenska na príklade èeskoslovenskej sociálnej demokracie. (Dokumenten über die Liquidation der politischen Parteien in der Zeit der autonomen Landes Slowakei am Beispiel der Tschechoslowakischen sozialen Demokratie). In: Studia historica Nitriensia VI.,1997, s.217-248

[42] Slovák vom 10.11.1938.

[43] Võlkischer Beobachter (Wiener Ausgabe) vom 23.11.1938.

[44] Wiener Neueste Nachrichten vom  17.12.1938.

[45] Võlkischer Beobachter (Wiener Aufgabe) vom 17.12.1938

[46] Siehe die Tabelle 2 und 3.

[47] Sudetendeutsche Tageszeitung vom 17.12.1938

[48] Pariser Tageszeitung vom 20.12.1938.

[49] Das Zahlenmaterial entstamt Meldungen der Kreisbehörden an die Zentralverwaltungsorgane.

 

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